Kunst als Widerstand – Stimmen im Dialog

Filmvorführung & Podiumsdiskussion

Sonntag, 27. September 2026, 14:00-17:00 Uhr

Filmforum NRW
Bischofsgartenstraße 1
50667 Köln

„Kunst als Widerstand – Stimmen im Dialog“ widmet sich der Situation von Künstlerinnen im Iran und der Frage, wie Musik, Film und Tanz unter repressiven Bedingungen zu Formen der Selbstbehauptung und des Widerstands werden.

Ein kuratierter Kurzfilmblock mit den Filmen „Ballerina“, „Prestige“, „Resilience“ und „Height of the Kite“ eröffnet unterschiedliche Perspektiven auf weibliche Stimmen, Tanz, Zensur und künstlerische Freiheit im Iran. Im Anschluss diskutieren Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen und Kulturschaffende über die Folgen der Revolution von 1979 für Frauen in Kunst und Kultur, über Zensur und künstlerische Überlebensstrategien sowie über die Bedeutung der Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“.

Moderiert wird die Diskussion von der Journalistin und Autorin Golineh Atai. Auf dem Podium sind Katajun Amirpur, Chahla Chafiq, Yalda Yazdani sowie die Sängerinnen und Performerinnen Mina Deris und Mahya Hamedi.

Tickets

Tageskasse: 12 €.

VVK 10 € + Gebühr. Verkauf startet in Kürze!

„Music was one of the first official casualties in 1979“, schreibt Nahid Siamdoust in ihrem Buch Soundtrack of the Revolution. Dieser Satz bildet den Ausgangspunkt für eine Auseinandersetzung mit Musik als kulturellem Ausdruck – und als politischem Raum.

Musik und insbesondere die Stimme gelten seit jeher als Ausdruck kollektiver Identität und gesellschaftlicher Zustände. Im Iran spiegelte die Musik über Jahrhunderte hinweg die kulturelle Vielfalt und historische Dynamik des Landes wider. Gerade deshalb wurde sie nach der Islamischen Revolution 1979 zu einem zentralen Feld staatlicher Kontrolle. Besonders die weibliche Stimme wurde zunehmend reguliert, aus dem öffentlichen Raum verdrängt und systematisch marginalisiert.

Vor diesem Hintergrund verbindet das Projekt „Kunst als Widerstand – Stimmen im Dialog“ Konzert, Film und Diskussion zu einem interdisziplinären Austauschformat über Kunstfreiheit, weibliche Selbstbestimmung und kulturellen Widerstand. Ausgangspunkt ist ein Konzertabend „Female Voices of ResilienceIranian Women Singing for Freedomiranischer Sängerinnen und Musikerinnen in der Kölner Philharmonie. (Dieser Part ist nicht Bestandteil des Kostenplans!) Am darauffolgenden Tag wird das Thema im Filmforum NRW durch einen kuratierten Kurzfilmblock und eine Podiumsdiskussion vertieft. Im Zentrum stehen künstlerische Arbeiten, die sich mit dem Verbot weiblichen Gesangs, mit Tanz sowie mit Formen künstlerischer Selbstbehauptung im Iran auseinandersetzen.

Die Filme zeigen Frauen, deren Stimmen im öffentlichen Raum unterdrückt werden, und machen sichtbar, wie Musik, Tanz und künstlerischer Ausdruck unter repressiven Bedingungen zu Formen des Widerstands werden.

Filmprogramm

Der kuratierte Kurzfilmblock erweitert die musikalische Erfahrung um eine visuelle und narrative Ebene. Die ausgewählten Filme verbinden persönliche Geschichten mit strukturellen Fragen von Verbot, Sichtbarkeit und Selbstbestimmung.

Im Zentrum stehen vier Werke:

  • Ballerina (2024) von Farima Khalili und Soheil Babaei
  • Prestige (2020) von Zahra Ahooi
  • Resilience (2025) von Mohammad Tabrizi
  • Height of the Kite (2023) von Amin Pakparvar und Mehraneh Salimian

Die Filme machen deutlich, dass Gesang und Tanz im iranischen Kontext weit mehr sind als künstlerische Ausdrucksformen. Sie werden zu politischen Handlungen, in denen sich Fragen von Körper, Raum und Öffentlichkeit verdichten.

Gleichzeitig verweist das Filmprogramm auf die Bedingungen, unter denen diese Arbeiten entstehen. Viele Filmschaffende produzieren ohne staatliche Genehmigung, unter prekären Bedingungen und unter hohem persönlichem Risiko. Themen wie weiblicher Gesang, Tanz oder körperlicher Ausdruck gelten als besonders sensibel und unterliegen strenger Zensur. Internationale Präsentationen können Berufsverbote, Reiseeinschränkungen oder strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Der Filmblock zeigt daher nicht nur Geschichten von Widerstand – er ist selbst Ausdruck eines künstlerischen Widerstands gegen Kontrolle und Unsichtbarmachung.

Podiumsdiskussion

Die Podiumsdiskussion verbindet historische Analyse mit persönlichen Erfahrungen iranischer Sängerinnen, Musikerinnen und Kulturschaffender unterschiedlicher Generationen. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Kunstfreiheit, künstlerischen Überlebensstrategien und der Bedeutung von Musik als Ausdruck von Identität und Selbstermächtigung.

Ergänzt werden die persönlichen Perspektiven durch wissenschaftliche und kulturpolitische Beiträge, die den historischen und gesellschaftlichen Kontext einordnen, ohne die individuellen Stimmen zu überlagern.

Zentrale Fragestellungen sind unter anderem:

  • Welche Auswirkungen hatte die Revolution von 1979 auf Frauen in Kunst und Kultur?
  • Wie behaupten Künstlerinnen ihre Stimme trotz systematischer Einschränkungen?
  • Welche Rolle spielt die Diaspora für Sichtbarkeit und Vernetzung?
  • Welche Bedeutung hat die Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“ für gegenwärtige künstlerische Ausdrucksformen?

Partizipation & Zielgruppen

Das Format versteht sich bewusst als dialogischer Raum zwischen Generationen, kulturellen Hintergründen und gesellschaftlichen Erfahrungswelten. Insbesondere junge Menschen sowie Akteur*innen aus der urbanen Musik- und Clubkultur in Nordrhein-Westfalen werden gezielt angesprochen.

Die Veranstaltung ist partizipativ angelegt: Offene Fragerunden, moderierte Publikumsbeiträge und ein informeller Austausch im Anschluss schaffen Möglichkeiten zur aktiven Beteiligung und persönlichen Begegnung.

Gesellschaftliche Relevanz

„Kunst als Widerstand – Stimmen im Dialog“ versteht sich als soziokulturelles Format, das Kunst, persönliche Erfahrung und gesellschaftlichen Austausch miteinander verbindet.

Das Projekt schafft einen Raum, in dem nicht nur über Repression gesprochen wird, sondern auch über Empowerment, Sichtbarkeit und die verbindende Kraft von Kunst. Es fördert Empathie, kulturelles Verständnis und demokratischen Dialog – hörend, sehend und im gemeinsamen Austausch.

Teilnehmerinnen

Moderation

Golineh Atai

Journalistin und Autorin, Leiterin des ZDF-Studios Kairo sowie Leiterin der Redaktion Nahost und Nordafrika. Zuvor war sie viele Jahre Auslandskorrespondentin der ARD unter anderem in Kairo und Moskau. Für ihre journalistische Arbeit erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis sowie 2026 den Grimme-Preis. Mit ihrem Buch „Iran – Die Freiheit ist weiblich“ analysiert sie die Rolle von Frauen in den iranischen Freiheitsbewegungen und verbindet politische Analyse mit persönlichen Geschichten von Widerstand und Selbstermächtigung.

Panelistinnen

Katajun Amirpur

Islamwissenschaftlerin an der Universität zu Köln mit Forschungsschwerpunkten zu schiitischem Islam, iranischen Reformbewegungen, Gender und iranischer Intellektuellengeschichte. Autorin zahlreicher Publikationen, darunter „Iran ohne Islam: Der Aufstand gegen den Gottesstaat“.

Chahla Chafiq

Soziologin, Kulturwissenschaftlerin und Autorin aus Paris. Ihre Arbeit beschäftigt sich mit Feminismus, Exil, politischem Islam und interkulturellem Dialog. Seit vielen Jahren engagiert sie sich für Frauenrechte und demokratische Freiheitsbewegungen.

Yalda Yazdani

Ethnomusikologin, Filmemacherin und Kuratorin aus Berlin. Gründerin und Kuratorin der Festivals Female Voice of Iran, Female Voice of Afghanistan und Female Voice of Kurdistan.

Iranische klassische Sängerin aus Berlin mit Schwerpunkt auf persischer und aserbaidschanischer Musik. Sie arbeitete unter anderem mit Hossein Alizadeh zusammen und war Teilnehmerin des Festivals Female Voice of Iran.

Mina Deris & Mahya Hamedi

Sängerinnen und Performerinnen aus Los Angeles.

Ablauf der Veranstaltung

1. Begrüßung und Einführung (10 Min.)

  • Vorstellung der Moderatorin und Panelistinnen
  • Einführung in Thema und Ablauf

2. Kurzfilmblock (30 Min.)

Präsentation des kuratierten Kurzfilmprogramms:

  • Ballerina (2024)
  • Prestige (2020)
  • Resilience (2025)
  • Height of the Kite (2023)

3. Historischer Überblick & Podiumsdiskussion (50 Min.)

  • Entwicklung der Kunst und der Situation von Künstlerinnen im Iran
  • Historische und gesellschaftliche Einordnung
  • Persönliche Erfahrungen der Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen
  • Gespräch über Zensur, Widerstand und künstlerische Strategien

4. Publikumsgespräch (20 Min.)

  • Fragen und Beiträge aus dem Publikum

5. Offener Austausch im Foyer (30 Min.)

  • Informeller Dialog zwischen Publikum, Künstlerinnen und Expertinnen
  • Raum für persönliche Gespräche, Vernetzung und Begegnung